06/2015 VerbandsMagazin VdW – 120. Geburtstag eines Erfolgsmodells in Witten
Ein genossenschaftliches Erfolgsmodell mit Geschichte und Zukunft
Auch in Witten beeindruckt das genossenschaftliche Modell durch Beständigkeit und nachhaltigen Erfolg: Die einst als „Spar- und Bauverein“ gegründete Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG feiert in diesem Jahr ihr 120-jähriges Bestehen.
Auszug aus dem historischen Statut (1895–1903)
Ergänzungen und Bemerkungen
(in moderner Sprache zusammengefasst und nummeriert)
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Mitglied kann jede volljährige Person werden, die im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist.
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Für den Eintritt ist eine doppelte Beitrittserklärung in der vom Vorstand vorgegebenen Form zu unterschreiben. Gleichzeitig ist das Eintrittsgeld zu zahlen. Dafür erhält das Mitglied das Statut und ein Quittungsbuch.
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Jedes Mitglied ist verpflichtet, ab dem Zeitpunkt des Eintritts wöchentlich mindestens 30 Pfennig einzuzahlen, bis der Geschäftsanteil von 300 Mark erreicht ist.
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Höhere Einzahlungen – bis 80 Pfennig wöchentlich – sind erlaubt. Alternativ kann der Geschäftsanteil auch in einer Summe entrichtet werden. Es sind bis zu sechs Anteile à 300 Mark (insgesamt 1.800 Mark) möglich. Für jeden weiteren Anteil ist ein gesondertes Formular auszufüllen.
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Neben den Einzahlungen auf den Geschäftsanteil sind weitere Spareinlagen möglich, die mit 4 % verzinst werden.
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Die Einzahlungen werden durch Wertmarken im Quittungsbuch bestätigt, die mit dem Stempel der Zahlstelle entwertet werden.
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Sobald die Geschäftsanteile vollständig eingezahlt sind, stellt der Vorstand Anteilsscheine aus. Diese sind sorgfältig aufzubewahren.
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Am Ende des Geschäftsjahres wird eine Dividende aus dem Reingewinn gutgeschrieben. Für vollständig eingezahlte Anteile kann sie ausgezahlt werden; andernfalls wird sie als Spareinlage gebucht.
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Auch höhere Beträge können als Darlehen oder Spareinlage eingezahlt werden. Diese werden ebenfalls verzinst. Der Vorstand entscheidet über deren Annahme.
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Quittungsbücher und Anteilsscheine dürfen weder verkauft noch verpfändet werden. Verluste sind dem Vorstand sofort schriftlich zu melden. Der Austritt ist nur zum Geschäftsjahresende möglich. Die Kündigung muss bis spätestens 31. Dezember des Vorjahres schriftlich eingereicht werden. Wer länger als drei Monate mit Einzahlungen im Rückstand ist, verliert das Recht auf Wohnungsvergabe und kann ausgeschlossen werden.
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Sowohl Eintritt als auch Austritt werden durch das Königliche Amtsgericht bestätigt.
Witten, im Juli 1903
Spar- und Bauverein eGmbH
Der Aufsichtsrat: Mau, Wenzel, Commerbell, Reinking, Wittig, Cloften, Behle, Brückner, Statz, Berkenke, Brell
Der Vorstand: Maller, Fromme, Hänerjäger, Weber, Bartloff
Eigenhändige Unterschrift des Mitglieds: Hugo Bohrmann
Wie alles begann
Auch in Witten herrschte im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung große Wohnungsnot. Als 1863 die Hauptwerkstätte der Bergisch-Märkischen Eisenbahn von Elberfeld nach Witten verlegt wurde, zogen hunderte Arbeiterfamilien in die Stadt – bezahlbarer Wohnraum fehlte.
Frank Nolte, Vorstand der Genossenschaft, erklärt:
„Am 22. August 1895 gründeten Mitarbeiter der Eisenbahner-Hauptwerkstatt – heute bekannt als Bundesbahn-Ausbesserungswerk bzw. Weichenwerk Witten – den Spar- und Bauverein, um die Wohnungsnot zu lindern und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“
Zur Gründungsversammlung kamen 25 Interessenten, zumeist Eisenbahner. Vorstand und Aufsichtsrat wurden gewählt. Der Geschäftsanteil wurde auf 300 Mark festgelegt.
120 Jahre gelebte Genossenschaft – eine Bilanz
Seit 1895 hat die Genossenschaft alle Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte durchlebt – besonders geprägt durch den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit den 1990er-Jahren wurden zahlreiche Neubauten realisiert. Im Jahr 2011 wurde durch den Kauf von 20 ehemaligen Meravis-Häusern der Bestand deutlich erweitert.
Heute umfasst der Bestand:
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1.571 Wohnungen
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in 245 Häusern
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mit 2.019 Mitgliedern
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und ist damit das größte Wohnungsunternehmen in Witten
Frank Nolte: „Wir können stolz sein“
„Der Tradition entsprechend bieten wir unseren Mitgliedern guten, sicheren und bezahlbaren Wohnraum“, so Nolte.
„Jährlich investieren wir rund vier Millionen Euro in Bestandspflege und Neubau. Unsere Leerstandsquote ist gering. Und: Wir vergeben unsere Aufträge bewusst an heimische Betriebe, weil wir uns mit der Stadt eng verbunden fühlen.“
Auch das Serviceangebot wurde kontinuierlich ausgebaut.
Ausblick auf das Jubiläumsjahr
Für 2025 sind nur kleinere Jubiläumsfeierlichkeiten geplant. Die große Feier soll 2020 stattfinden – zum 125-jährigen Bestehen der Genossenschaft.